Inspirationen

Otl Aicher – der Denker am Objekt

Alle reden in diesen Tagen von Walter Gropius, Mies van der Rohe und vom Bauhaus. Nicht nur in Weimar, Dessau und Berlin finden Empfänge, Ausstellungen und Feierstunden statt, werden Bildbände und Bücher vorgestellt oder Reden gehalten. Bei so viel Scheinwerferlicht auf dem hundertsten Geburtstag der Heimstätte der Avantgarde wollen wir den Fokus etwa verschieben.

Statt in die Lobeshymnen einzustimmen, erzählen wir lieber von Otto „Otl“ Aicher. Geboren wurde er drei Jahre nachdem das Bauhaus gegründet wurde. Das Abitur wurde ihm entzogen, weil er sich weigerte, der Hitlerjugend beizutreten. An der Akademie für Bildende Künste in München studierte er bei Anton Hiller. Anschließend führte er ein eigenes Grafikbüro, gründete 1953 die Hochschule für Gestaltung in Ulm und arbeitete dort bis zu deren Schließung 1968 nicht nur als Dozent, sondern auch mehr als zwei Jahre als Rektor. Später zog er nach Rotis im Allgäu und entwickelte eine Schriftenfamlie mit eben diesem Namen, „Rotis“.

Während das Bauhaus die „Änderung der Gesellschaft mit den Mitteln der Kunst“ anstrebte, gestanden Otl Aicher und die meisten seiner Mitstreiter an der HfG Ulm der Kunst keine besondere Rolle zu. Das Produkt sollte seine Form allein aus seinem Zweck heraus erhalten.

Otl Aicher, den Denker am Objekt, wie der Gestalter und Grafik Designer zu Recht genannt wird war ein Guru für Typografie, ein Wegbereiter des Corporate Designs. Für die Olympischen Spiele von München schuf er Gestaltungsrichtlinien, die alles umfassten: von der Uniform bis zum Einlassticket. Er hat das visuelle Erscheinungsbild der Lufthansa entwickelt, das Logo von Braun, Flughafen Frankfurt, Sparkasse, ZDF, Bulthaupt Küchen und der Dresdner Bank geformt (um nur einige zu nennen). Sein Team und er erfanden radikal reduzierte Piktogramme und damit eine Sprache, die von Menschen gleich welcher Nation intuitiv erkannt und verstanden wird.
https://www.piktogramm.de/de/

Bildmaterial:

Aicher, Otl

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