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Einblicke

Präzises Projektmanagement zur Frankfurter Buchmesse

„Wir sind in der 4.2 fertig und gehen jetzt in die 5.1“, sagt Benjamin Bartl. Dann schiebt er die orangefarbene Schultertasche nach hinten, zieht mit dem Fuß das rechte Pedal nach oben, tritt an und fährt auf seinem silbernen Klapprad aus der Halle 4.2 hinaus. Der große bärtige Mann gehört zum 20-köpfigen imb: troschke-Team, das in diesem Jahr erneut den Aufbau der Messestände für die Frankfurter Buchmesse stemmt.

In den Hallen riecht es nach Holzstaub und Kleber. Nach Putzmittel und den Abgasen der Gabelstapler. Laut ist es auch. Hier kniet ein Monteur über einer Säge, um eine Leiste zuzuschneiden, dort kleben zwei andere Wände ein. Ein Team lässt sich bei der Arbeit von Musik begleiten. Aus dem Radio quäkt heiser Phil Collins. Mit großem Geschick umfahren Staplerfahrer Stände und Palletten, mannshohe Stapel eingeschweißter Sitzbänke und nicht zuletzt die konzentriert arbeitenden Messebauer in ihren schwarzen T-Shirts mit dem imb: troschke-Logo. Sie fahren das Material an, das die Aufbautrupps brauchen. Für Außenstehende mag das alles wie ein großes Durcheinander wirken, doch der Aufbau folgt einer eng getakteten, ausgeklügelten Logik.

Bevor die Messestände aufgebaut werden können, müssen erst einmal die Teppichböden am Stand verlegt sein. Danach ist imb: troschke dran. Insgesamt drei Tage haben die Teams Zeit, um auf zehn Hallenebenen tausende Stände zu errichten. Erst wenn diese Drei-Tages-Frist verstrichen ist, dürfen all jene Verlage, die mit einem eigenen Stand vertreten sind, loslegen.

Die Trupps errichten Systemstände aus Einzelwänden und anderen Teilen, wie zum Beispiel Sitzbänke und Deckenrahmen. Ein schmaler älterer Mann trägt eine Systemwand in einer der weitläufigen Hallen zu seinen Kollegen. „Darf ich die mal hochheben“, frage ich und habe sie, obwohl der Schmale ein zweifelndes Gesicht macht und zögert, schon an beiden Seiten gepackt. Ich gehe leicht in die Knie, ziehe den Bauch ein und hebe das unhandliche Teil mit großer Mühe nur wenige Zentimeter vom Boden ab. „Respekt“, sage ich. „Ganz schön schwer.“ Die Männer lachen breit.

Die internationale Messe mit ihren mehr als 7100 Ausstellern auf knapp 170.000 Quadratmeter Fläche und über 400.000 Titeln ist für das mittelständische Unternehmen ein großes Projekt.

Möglich wird diese logistische Meisterleistung unter anderem durch das gut eingespielte imb: troschke-Stammteam, das vor Ort die Arbeiten koordiniert, beaufsichtigt und anschließend kontrolliert. Nicht nur Benjamin, sondern auch Horst Reis, Wladimir Hamburg und Karl Reis sind dazu mit dem Fahrrad – oder dem Roller – in den Messehallen unterwegs.

„Wir müssen versuchen, in den ersten drei Aufbautagen so viel wie möglich zu schaffen. Im Moment sind – bis auf die Maler, die Elektriker und die Teppichleger – nur unsere eigenen Leute in den Hallen. Später wird das Durchkommen schwieriger und alles dauert entsprechend länger“, sagt Wladimir. Er arbeitet seit 10 Jahren bei imb: troschke und koordiniert, genau wie Karl, welcher Aufbautrupp wo eingesetzt wird und stellt sicher, dass das benötigte Material zeitgleich mit den Monteuren am jeweiligen Standort ist.


Auch in Halle 3.1 ist der Aufbau nun abgeschlossen. Elektriker verlegen Stromschienen, kümmern sich um Licht und Stromversorgung am Stand. Mit einem großen Baumwollmopp reinigt eine ältere Frau die Außenwand eines Standes, gleich um die Ecke wischt ein Mann dessen Inneres. Paul Bege, der sich bei imb: troschke als Ferienjobber Geld verdient, kontrolliert den Aufbau und markiert auf einem Plan genau, wo noch einmal nachgearbeitet werden muss. Karl Reis zieht einen Ordner aus seiner Schultertasche und schlägt ihn auf. Dann greift er zum Telefon und sagt: „Wir sind hier fertig. Wir machen jetzt in Halle 3.0 weiter.“ Er blickt auf, lacht freundlich und radelt auf seinem Klapprad davon.

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Wabi- Sabi – die Kunst des Unperfekten

Cleanness, Shabby Chic, Minimalismus, Stilmix, Natürlichkeit: Den einzig wahren Trend gibt es nicht, finden wir von imb: troschke. In diesem Jahr bekommen all diese Strömungen noch dazu Konkurrenz von Wabi-Sabi, einem inspirierenden Einrichtungstrend aus Japan. Er hat es anders als Hygge noch nicht in den Duden geschafft und bezeichnet auf den Punkt gebracht die Ästhetik des Unfertigen.

Die Schönheit des Unvollkommenen wird in den Blick genommen. Sichtbeton ist zum Beispiel ein Designelement des Wabi-Sabi. Zum Wunsch, anderes sein zu wollen, gesellt sich Geradlinigkeit, Schnörkellosigkeit und damit auch der Verzicht auf Überflüssiges.
Es geht um das, was man braucht, nicht darum, wie viel man bekommen kann. Es geht um Sein statt um Luxus. Es geht um Authentizität statt Dekoration. Damit bleibt Raum für die eigene Kreativität, fort vom Materiellen. Fehler, Macken, Brüche werden nicht verschwiegen, sondern offengelegt. Räume und die Dinge, die einen umgeben, dürfen unperfekt sein. Im Glas von Vasen dürfen Blasen eingeschlossen sein. Holz darf Astlöcher und Naturstein Patina haben. Mit all diesen Wesensmerkmalen des Wabi-Sabi, die auf Nachhaltigkeit und Gelassenheit verweisen, verändert sich auch die Idee dessen, was als „schön“ gilt, grundlegend.

Wir von imb: troschke suchen immer wieder neue Ideen abseits des Perfekten, sehen das Unfertige nicht als Bedrohung, sondern vielmehr als Möglichkeit, unserer Gestaltungskraft freien Lauf zu lassen. Unsere Kunden schätzen diese Offenheit Neuem gegenüber. Vor allem unsere langjährigen Partner wissen, dass wir bereit sind, Veränderungen in ihrem Unternehmen auch auf Messeebene engagiert zu begleiten. Ganz gleich, ob die Reise von Cleanness zu Shabby Chic führt oder von Opulenz zu angesagtem Wabi-Sabi geht.

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Im Gespräch: Was macht Digitalisierung mit Marken?

Facebook, Twitter, LinkedIn. Mobile Messe-Apps und Big Data Software:
Was macht Digitalisierung mit Marken? Ein Gespräch mit Anna-Lena Heukrodt, Duale Studentin der DHBW Mannheim

Anna-Lena, bevor wir in das Thema Digitalisierung in Bezug auf Marken einsteigen, möchte ich Ihnen eine grundsätzliche Frage stellen: „Was ist das überhaupt eine Marke?
Das ist eine wirklich gute Frage. Marke, das ist das große Ganze eines Unternehmens, bei Weitem nicht nur der Firmenname. Meiner Meinung nach gehören dazu neben dem Corporate Design, wie Farben, Schriften und Logo auch die Unternehmensphilosophie und die Mitarbeiter. Besonders durch die Kommunikation nach außen und auch nach innen wird über die Persönlichkeiten der Mitarbeiter die Marke greifbar. Im Großen und Ganzen eben das Erscheinungsbild des Unternehmens. Viele denken z.B. bei Adidas nur das eine Produkt, einen Fußballschuh oder Sportklamotten. Doch hinter der Marke und dem Unternehmen steckt häufig noch viel mehr, wie z. B. soziale Projekte. Genau so habe ich das Unternehmen imb: troschke auch kennen gelernt.

Ist eine Marke etwas Fixes, Unveränderliches, das einmal definiert wird und dann immer gleich bleibt?
Eigentlich müsste ein Unternehmen einmal im Jahr analysieren, was die eigene Marke ausmacht. Schauen, wo man steht und den eigenen Standpunkt bestimmen. Das heißt nicht, dass sich ein Unternehmen jedes Jahr neu erfinden muss. Eine Marke sollte sich klar und wiedererkennbar positionieren. Aber wenn sich zum Beispiel die Geschäftsfelder ändern, etwa ein Messebauer sein Leistungsspektrum erweitert und nun auch Ladenbau anbietet, muss auch die Marke selbst sich ändern. Das Unternehmen muss die Änderungen außerdem nach außen und innen kommunizieren. Dabei sollte eine Marke nichts versprechen, was das Unternehmen nicht halten kann, sondern auch im Marketing nur Dinge verbreiten, zu denen das Unternehmen auch steht. Im Grunde genauso, wie imb: troschke es handhabt.

Was ist mit dem Markenkern – ändert er sich, wenn das Leistungsspektrum erweitert oder verengt wird?
Nein, der sollte gleich bleiben. Das ist ja schließlich die Grundphilosophie eines Unternehmens: Welchen Wert messen wir als Unternehmen Qualität zu, für welche Werte stehen wir, woher kommen die Produkte, die wir verwenden? Im Falle von imb: Troschke wäre das zum Beispiel die Frage, woher beziehen wir das Holz, das in der Werkstatt verbaut wird.
Marke, Markenkern und auch Veränderungen sollten im Übrigen nicht nur über die Kommunikation auf der Firmenwebsite stattfinden. Es sollten auch andere Kanäle bespielt werden.

Damit sind wir schon mittendrin im Digitalen. Welche Kanäle nutzen Unternehmen heutzutage, um ihre Marke und ihren Markenkern zu kommunizieren?
Hier kommt das Online-Marketing ins Spiel. Ich halte nach wie vor die Firmenwebsite für eine wichtige Kommunikationsplattform, doch auch Social Media Kanäle wie Facebook, Twitter oder Instagram, berufliche Netzwerke wie Xing oder LinkedIn sind von Bedeutung. Darüber hinaus gibt es noch YouTube oder Videos als Möglichkeiten der Kommunikation, aber das ist natürlich auch eine Kostenfrage. Ich denke, bei den jüngeren Generationen sind diese Plattformen sogar wichtiger als eine Firmenwebsite – sie holen sich ihre Informationen über andere Wege.
Für imb: troschke ist eine der wichtigsten Kommunikationsplattformen unser Blog. Hier werden Themen und Neuigkeiten gebündelt und zu den Social Media Kanälen verlinkt. Der Blog ist sozusagen unsere Medienzentrale.

Digitale Präsenz ist auch eine Frage der Manpower…

Ja, denn digitale Kanäle müssen regelmäßig gepflegt werden. Da ist es oft sinnvoller zu schauen, welches Medium passt zu einer Marke, um dann ganz gezielt zwei oder drei Kanäle zu bespielen. Wir bei imb: troschke schauen in Sachen Social Media genau, was können wir leisten und was nicht. Es ist wichtig, dass die Maßnahmen im Online-Marketing durchdacht sind. Was glauben Sie, was passiert, wenn seit Wochen oder Monaten keine Aktivität mehr auf den Social Media Kanälen stattfindet? – Dann wird es für viele Follower langweilig. Andererseits müssen Beiträge auch durchdacht werden bezüglich Zeitpunkt, Thema und Zielgruppe. Von der Schnelllebigkeit des Internets darf man sich nicht aufs Glatteis führen lassen.

Also muss jede Marke gar nicht alle Kanäle bespielen, um in Zukunft digital Schritt zu halten?

Es geht gar nicht darum, überall präsent zu sein. Das muss selbst in Zeiten der Digitalisierung nicht sein. Es gibt auch Gegentrends. Mymuesli hat zuerst individuell zusammengestellte Müslis über einen Onlineshop an seine Kunden versandt. Inzwischen gibt es Mymuesli-Läden in der realen Welt. Amazon, der Online-Versand-Konzern, eröffnet ebenfalls Ladengeschäfte – auch wenn diese mit neuen Konzepten ausgestattet sind. Diese Gegentrends finde ich sehr interessant.

Sprechen wir über Digitalisierung und Marken auf Messen. Werden sich Marken bald nur noch auf virtuellen Messen präsentieren?

Das halte ich für unwahrscheinlich. Klar gibt es inzwischen virtuelle Messen und ja, sie sind eine Konkurrenz zu den realen. Aber ich kann mir dennoch nicht vorstellen, dass es die Frankfurter Buchmesse in 10 Jahren nicht mehr gibt. Man will doch als Besucher Bücher anfassen, durchblättern, Kontakt aufnehmen. All das bieten virtuelle Messen nicht. Man braucht doch die Face-to-face-Kommunikation, will Mimik und Gestik des Gesprächspartners sehen. Das geht an einem virtuellen Stand nicht, gibt wahrscheinlich dennoch dem Messebauer die Möglichkeit diesen Trend zu begleiten.

Trotzdem macht die Digitalisierung auch vor der Messebranche nicht Halt.
Es hat sich schon viel gewandelt. Von der Online-Anmeldung über Tickets, die man sich aufs Handy laden kann, freies W-LAN bis hin zu Apps, die Aussteller und Besucher bei der Vorbereitung, während der Messe und bei der Nachbereitung unterstützen. Auch im Hintergrund – nicht sichtbar für die Besucher – sind Prozesse digitalisiert. Doch all diese Veränderungen führen dennoch zu einer realen Messe. Man sieht sich in echt.

Wenn Marken und Messen digitaler werden, was heißt das für imb: troschke?
Es ist eine Herausforderung, aber auch eine Chance. Vielleicht muss die Unterstützung der Kunden im Vorfeld einer Messe digitaler werden. Doch nicht nur wir erreichen unsere Kunden in Zukunft anders als in einer rein analogen Welt, auch das Verhalten von Kunden hat sich verändert. Heutzutage kommt man durch das Internet einfacher und schneller an Informationen. Damit ist ein potentieller Kunde auf der einen Seite möglicherweise besser informiert als früher. Zugleich gibt es auch eine größere Quantität an Information und größere Vielfalt. Damit wird es für einen potenziellen Kunden schwieriger, wirkliche Qualität zu erkennen und tragfähige Entscheidungen zu treffen. Da können wir von imb: Troschke mit unserer Expertise beraten und punkten. Man muss einen Kunden, der auf der Suche nach einem zuverlässigen Messebaupartner ist, ansprechen, bevor er den nächsten Link anklickt. Im Internet, beim ersten Kontakt finden Entscheidungen innerhalb von Sekunden statt. An diesem Punkt müssen wir unsere Zielgruppe ansprechen.

Rein digital wird Messebau auch in der Zukunft nicht funktionieren…
Das geht gar nicht. Architekten entwerfen Standpläne und müssen sie mit den Kunden abstimmen. Da geht es um Farben und Formen, um Strukturen und Stoffe. Um Haptik und Design. Da reicht es nicht aus, wenn Isabel Häffner, eine unserer Architektinnen, lediglich E-Mails mit einem Kunden austauscht oder nur mit ihm telefoniert.

Worin sehen Sie – digital betrachtet – die Chancen für eine Marke wie imb: troschke?
Markenführung wird durch die Digitalisierung komplexer, aber auch transparenter. Es kann eine Chance sein, Prozesse zu verbessern und auf eine andere Weise mit Kunden in Kontakt zu treten. Schauen Sie sich nur unseren Blog an. Hier ermöglichen wir als Unternehmen den Besuchern unserer Website digitale Einblicke in die Marke imb: troschke und in das wofür wir stehen. Ein Blick hinter die Fassade sozusagen. Wir zeigen, wie wir arbeiten, und sagen: So sind wir. Wir stärken unsere Marke durch den Blog. Über diesen digitalen Einblick entsteht idealerweise ein realer Kontakt. Jemand ruft an und sagt: „Ich bin neugierig geworden: Ich denke, wir passen zusammen. Treffen wir uns doch mal auf einen Kaffee.“
Im Übrigen gibt es ja auch jede Menge digitale Veränderungen in Unternehmen, die man als Außenstehender gar nicht sieht, die aber eng mit der Marke verknüpft sind. Nach außen dringt das, was die Marketingabteilung an Positivem über eine Marke kommunizieren will: Wir sind innovativ. Wir handeln zukunftsorientiert. Wir sind vertrauenswürdig. Wir sind seriös. Aber wie im Inneren eines Unternehmens Prozesse digitalisiert werden, das wird Außenstehenden nicht gezeigt. Das ist auch gar nicht gewollt.

Sie befassen sich bei imb: troschke im Augenblick konzentriert mit dem Blog des Unternehmens…

Ich analysiere den Blog im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit. Ich schaue, welche Beiträge besonders erfolgreich sind, an welchen Tagen und zu welchen Uhrzeiten Besucher besonders stark auf welche Beiträge zugreifen. Ich untersuche – mit der Hilfe entsprechender Softwareprogramme – wie lange Besucher auf bestimmten Beiträgen verweilen. Das ist alles sehr interessant und sehr komplex. Dabei müssen viele Zahlen und Daten analysiert werden. Mir macht das Spaß. Ich denke, meine Arbeit wird helfen, das Online-Marketing von imb: troschke noch weiter zu verbessern.

Das Gespräch führte Elke Kaltenschnee

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Ein Messestand mit Stil

Stil ist Ausdruck einer inneren Haltung. Wer Stil sagt, denkt an Respekt, Wertschätzung, Anstand und ja, auch das: an Moral. Das macht das Äußere keineswegs bedeutungslos. Stil ist sowohl eine ästhetische als auch eine ethisch-moralische Größe. Jemand mag sich noch so perfekt kleiden, wenn sein Handeln respektlos oder gar unanständig ist, bleibt sein Stil schlecht.
Notizen eines Gesprächs zwischen Andrea Walburg und Elke Kaltenschnee

Der Spirit
Andrea Walburg: Stil ist, Dinge zu bewahren und zu respektieren. Randolph Maurer und ich sind zugleich Inhaber und Lenker des Unternehmens imb: troschke. Ich lege Wert auf ein respektvolles, aufmerksames Miteinander. Außerdem versuche ich, meine Liebe für schöne Details vorzuleben. Dazu gehört für mich auch, dass in unseren Räumen immer frische Blumen stehen. Das ist eine Wertschätzung für alle, die hier arbeiten, und für jeden, der in unser Haus kommt.
Die Ausstellung im Foyer ist ebenfalls Ausdruck unseres Anspruchs an die Unternehmenskultur. Wir möchten, dass man sieht, wofür wir stehen und womit wir uns beschäftigen. Es soll eine Inspiration sein. Jeder, der offen genug ist, kann diese Inspiration mitnehmen.

„Pitch-Kultur“ ist ein Oxymoron
Respektvoller Umgang miteinander ist in der Wirtschaft und Gesellschaft keine Selbstverständlichkeit mehr. Zu sehr ist jeder getrieben, das beste und günstigste aus allem herauszuholen. Ohne Rücksicht auf Verluste. Betrachten wir zum Beispiel die sogenannte Pitch-Kultur. Es ist nichts dagegen einzuwenden, wenn ein Auftraggeber mehrere Dienstleistern für ein Produkt X anfragt, um sich für den günstigsten bei gleicher Qualität zu entscheiden.
Aberwitzig ist jedoch, wie Pitches heutzutage eingesetzt werden. Selbst Kreativleistungen werden als Produkt degradiert und ebenso im großen Maße ausgeschrieben. Per email ohne weitere persönliche Kenntnis der Protagonisten. Soll das auf Dauer funktionieren? Das Wort „Pitch-Kultur“ ist deshalb für mich ein Oxymoron, ein Widerspruch in sich.

Jeder ist anders
Neben dem Stil des Hauses, der gemeinsame Werte umfasst, bringt jeder seinen persönlichen Stil in die Zusammenarbeit ein. Jeder von uns ist anders, hat einen anderen Stil und andere Kunden, die zu ihm oder zu ihr passen.

Stil und Form
Elke Kaltenschnee: Schreiben wir einem Menschen Stil zu, erwarten wir, dass er Regeln und Konventionen einhält, die Klaviatur des sozialen Miteinanders beherrscht. Pünktlichkeit, Ordnung, Höflichkeit, Ehrlichkeit, Achtsamkeit mögen für manche spießig sein. Für unser Unternehmen und für uns sind sie selbstverständlich. Gute Umgangsformen und gutes Benehmen sind schließlich das Schmiermittel des sozialen Miteinanders.

Selbstachtung
Stil erfordert nicht nur Achtung und Wertschätzung für andere, sondern auch Selbstrespekt und Selbstachtung. Wer könnte andere respektieren, wenn er mit sich selbst im Unreinen ist? Die innere Haltung, die sich im äußeren Erscheinungsbild manifestiert, wirkt vertrauensschaffend auf unser Gegenüber.

Was Stil mit Philosophie zu tun hat
Jemand der Stil hat, folgt der Erkenntnis des Philosophen Immanuel Kant: „Was du nicht willst, das man dir tu‘, das füg‘ auch keinem andern zu.“ Mit diesem Satz im Kopf, handelt der Mensch mit Stil ethisch, moralisch, den Menschen zugewandt. Dazu ist Fingerspitzengefühl notwendig. Das sklavische Befolgen von Regeln und Konventionen nur um ihrer selbst willen weist eher den Formalisten aus als einen Menschen mit Stil. Der Zweitgenannte betrachtet Regeln und Konventionen, klopft ihren Sinn und Nutzen ab. Wenn für gut befunden integriert er sie in sein Wertesystem. Der Vorwurf, er hänge opportunistisch sein Mäntelchen in dem Wind, ist fehl am Platz. Die beschriebenen Tugenden gepaart mit der Überzeugung, dass man Menschen mit Achtung begegnet und ihnen Beachtung schenkt, sind ihm unverrückbare Grundsätze. All das macht seine Authentizität und seine Individualität aus.

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Die Kunst der Messearchitektur

Unser Jahresrückblick präsentiert Themen der Messekommunikation aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Er bietet Anregungen und Impulse für das aktuelle Jahr, wirft hier ernste Fragen auf und will Sie dort heiter stimmen (Kapitel 2: Glück).

In sechs Kapiteln widmen wir uns nicht nur wichtigen Inhalten, sondern erzählen auch von uns. Wir erklären, wer wir sind, was uns antreibt und welche Ziele wir verfolgen (Kapitel 5: Antrieb). Das mag nach Nabelschau klingen, ist es aber nicht. Vielmehr geht es um Herausforderungen, die die Messebranche umtreiben: „Wie packen wir die fortschreitende Digitalisierung an?“ (Kapitel 1, Transformation), „Welche Verantwortung tragen Familienunternehmer?“ (Kapitel 3: Veränderung), „Wie viel Bürokratie kann ein mittelständisches Unternehmen schultern?“ (Kapitel 6: Stil) und nicht zuletzt: „Wie machen wir unsere Kunden glücklich?“
Im zentralen vierten Kapitel – Messekommunikation – präsentieren wir Ihnen, wie es uns gelingt, komplexe Inhalte am Messestand zu vermitteln und welche Zutaten wir dafür verwenden.

Zu Wort kommen die kreativen Köpfe unseres Hauses; graphisch haben wir unsere Projekte, Ausstellungen und Installationen für Sie festgehalten. Ein facettenreiches, mehrdimensionales Bild entsteht, das Sie teilhaben lässt an uns und unserem Unternehmen.
„Die Kunst der Messearchitektur“ können Sie über die E-Mail-Adresse frankfurt@imb-troschke.de und die Telefonnummer +49 6105-9778-20 beziehen. Oder Sie kommen einfach auf einen Kaffee vorbei.

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Der Zukunft zugewandt und der Tradition verpflichtet

Markt und Gesellschaft verändern sich nach wie vor in rasantem Tempo. Digitalisierung, Internationalisierung, Demographie, Kostendruck, Arbeitsverdichtung, Bürokratisierung setzen auch die Familienunternehmen zunehmend unter Druck.
imb: troschke befindet sich seit 84 Jahren in Familienhand. Familienunternehmen haben einen guten Ruf in der Gesellschaft. Sie werden als verlässlich wahrgenommen und genießen Vertrauen – anders als kapitalmarktorientierte und Großkonzerne.

#Worin liegen die Unterschiede zwischen kapitalmarktorientierten und Familienunternehmen, Herr Maurer?
Randolph Maurer: Im Management von kapitalmarktorientierten Unternehmen spielen Empathie und persönliche Verantwortung für das Unternehmen oder dessen Mitarbeiter fast keine Rolle. Es muss kaum Rücksichten nehmen. Diese Unternehmen sind dem Kapitalmarkt ausgeliefert und die Führung – anders als wir – nicht immer Herr des Unternehmens. Familiengeführte Unternehmen sind nachhaltiger, verlässlicher und können schneller auf Veränderungen reagieren. Die Unternehmensführung fühlt sich einer Tradition verpflichtet. Die Firmen können selbst in Krisenzeiten ihren Kurs halten, weil der Manager bleibt. Die Familien sind sich ihrer Werte bewusst und handeln konsistenter. Im deutschen Mittelstand gibt es eine Vielzahl an „Hidden Champions“. Familiengeführte Unternehmen, die ihre Nische gefunden haben, besetzen und sehr erfolgreich international agieren.

#Tragen Sie als Familienunternehmer größere Verantwortung für Ihre Mitarbeiter als etwa Manager eines Großunternehmens?
Andrea Walburg: Die Verantwortung für sich und seine Arbeit im Unternehmen trägt jeder Mitarbeiter selbst. Jeder ist Teil des Unternehmens und trägt durch seine Arbeit zu unserem Qualitätsanspruch und Erfolg bei.
Randolph und ich sind uns sehr wohl bewusst, dass unser Unternehmen in seiner Arbeit Verantwortung für die Familien aller Kollegen trägt.
Es ist uns sehr wichtig, dass die Fluktuation gering bleibt und unsere Mitarbeiter eine lange Verweildauer haben. Nur so können wir stabile Prozesse einhalten und optimieren. Wir belasten einen Mitarbeiter nicht über die Grenzen damit der Gewinn stimmt, sondern wollen, dass jeder, der bei uns arbeitet, neben seinem Job auch ausreichend Zeit für Familie, Freunde und Hobbys hat.

#In welcher Tradition sehen Sie sich als Firmeninhaber und Geschäftsleitung?
Andrea Walburg: Da muss ich kurz in die Historie unseres Unternehmens eintauchen: Hermann Troschke, der Firmengründer war ein hervorragender Handwerker, der stets direkt mit seinen Kunden zu tun hatte. Sein Sohn Peter, der in den 70er Jahren das Unternehmen übernahm, legte als Betriebswirt den Fokus auf eine Expansion des Betriebes als Messebauer. Mein Vater, Schreinermeister und Techniker, war der Spezialist für alle produktionstechnischen Lösungen. Gemeinsam war beiden Generationen, dass die individuellen Ansprüche der Kunden ohne große Hierarchien umgesetzt wurden und der Kunde jederzeit direkt mit den Machern zu tun hatte und unseren FullService erfahren durfte.
Das hat sich auch bei uns nicht geändert. Wir vereinen das Strategische mit dem Betriebswirtschaftlichen und dem Kreativen und behalten diese oben beschriebene Herkunft als Messebauunternehmen bei.

Randolph Maurer: Wir stehen in einer guten Tradition: Seit vielen Jahren sind wir ein Messebau-Fullservice-Unternehmen im besten Sinne. Wir bieten alles von der Kreation bis zur Schlüsselübergabe. Für diesen gesamten Entstehungsprozess verfügen wir über exzellentes Knowhow und unsere Kunden haben lediglich einen Ansprechpartner. Reibungsverluste zwischen Agentur/Kreation und Ausführung kennen wir nicht.

#Sprechen wir über die Firmennachfolge. Ist das bei Ihnen überhaupt schon ein Thema?
Randolph Maurer: Für familiengeführte Unternehmen ist das jederzeit ein to-do. Die Erwartungshaltung der Eltern an die Kinder ist, offen oder unterschwellig, zumeist da. Das ist für junge Menschen nicht immer einfach. Kinder sind heute emanzipierter, sie formulieren ihre eigenen Wünsche und entziehen sich dem Diktat der Eltern. Es gibt keine Zwangsläufigkeit mehr.

#Wie werden Sie damit umgehen, wenn sich in der Familie keiner findet, der weitermacht?

Andrea Walburg: Wenn bei uns die Kinder der vierten Generation kein Interesse haben, das Unternehmen weiterzuführen, ist das eine Entscheidung die wir akzeptieren. Wir werden dann aber gewissenhaft dafür Sorge tragen, dass das Unternehmen imb: troschke Bestand haben wird.

#Gibt es noch andere Dinge, Ereignisse, gemeisterte Herausforderungen auf die Sie beide stolz sind?
Andrea Walburg: Mich macht stolz, dass wir Kunden gewonnen haben für die wir einen weltweiten Markt bedienen. Mich macht stolz, dass wir, nachdem wir das Unternehmen übernommen haben und uns neu aufgestellt haben, direkt mit dem ersten Stand einen FAMAB AWARD gewonnen haben. Und stolz macht mich auch die jüngste Herausforderung für einen langjährigen Kunden, in kürzester Zeit ein System zu entwickeln und umzusetzen, in dem das ganze Projektteam geschnurrt hat wie ein Uhrwerk.
Und ich bin stolz darauf, dass wir auf Randolphs Anregung Wohlfühlaspekte bei unserem Umbau des Firmensitzes berücksichtigt haben und in so schönen Räumen arbeiten können.

#Zum Schluss eine Frage, die auch in die Zukunft weist: Was macht imb: troschke aus?
Andrea Walburg: Wir wissen, was wir wollen und welche Kunden wir wollen. Da haben wir eine ganz klare Haltung und diese ist vielleicht schon unsere DNA als Familienunternehmen. Aber man weiß nie, was kommt. Wir werden die Augen offen halten und bei Bedarf reagieren. Das kann ein kleines Familienunternehmen sehr schnell und konsequent. Bei allem was wir auch zukünftig tun, lassen wir uns aber immer von moralischen und ethischen Grundsätzen leiten.

Das Gespräch führte Elke Kaltenschnee.

Die kleinen und mittleren Unternehmen umfassen in der Bundesrepublik Deutschland rund 99,6 % aller umsatzsteuerpflichtigen Unternehmen, in denen knapp 59,2 % aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten angestellt sind, rund 35,5 % aller Umsätze erwirtschaftet werden sowie rund 82,2 % aller Auszubildenden ausgebildet werden.
(Quelle: irm-bonn.org)
http://www.familienunternehmen.de/ und www.ifm-bonn.org

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Einblicke Messearchitektur

Design Thinking. Anders denken, anders arbeiten

Design Thinking soll zum Lösen von Problemen und zur Entwicklung von Ideen führen. Hinter dem Begriff steckt die Annahme, dass sich Ideen besser entwickeln lassen, wenn Menschen aus unterschiedlichen Fachgebieten kreativ zusammenarbeiten. Design Thinking ist – wie der Name schon vermuten lässt – an die Arbeitsweise von Designern angelehnt, die entwerfen, verwerfen, gestalten, vorantreiben, verfeinern und ausführen. Das Konzept beinhaltet also den kreativen Prozess und beschreibt eine innovative Denkmethode. Große Unternehmen und Verwaltungsapparate müssen sich diesen Prozess erst noch zu Eigen machen. Ob er bei unseren Messearchitekten bereits zum Alltag gehört, wollen wir von den beiden Architektinnen Claudia Menzel und Isabel Häffner wissen.

#Lässt sich die Idee des Design-Thinking auf die Zusammenarbeit mit Ihren Kunden anwenden? Falls ja, inwiefern?


Claudia Menzel:
Es ist der Idealfall, wenn wir so arbeiten können. Dazu gehört das Vertrauen der Kunden, die Zeit in Gespräche und gemeinsame Entwicklung zu investieren. Wenn wir zusammensitzen und in guter Atmosphäre einfach Ideen wertfrei zusammenwerfen und verwerfen können. Das Knowhow der Kunden, die ihre Produkte und deren Vorzüge am besten kennen, ist wichtig, um die Bedürfnisse zu verstehen und den Ablauf auf dem Stand optimal zu unterstützen.

Isabel Häffner: Oft ist es sogar hilfreich, wenn wir als Fachfremde das Produkt im Gespräch verstehen lernen. Um dem Kunden zu spiegeln, welche Informationen ein Außenstehender zunächst braucht. Manchmal sind es ganz banale Fragen, die zum Kern führen und dem Kunden helfen, sein Alleinstellungsmerkmal auf dem Stand herauszustellen. Langjährige Beziehungen zu unseren Kunden helfen natürlich, da auch von Veranstaltung zu Veranstaltung weitere Optimierungen möglich sind. So haben wir die Chance, auf die Reaktionen in der Praxis zu reagieren und uns gemeinsam weiterzuentwickeln.

#Ist eine gute Atmosphäre, in der sich alle wohlfühlen, wichtig, um gemeinsam ein Projekt zu realisieren?

Claudia Menzel: Unbedingt! Für uns gehört die Begegnung auf Augenhöhe dazu, gerne nutzen wir persönliche Treffen, um in angenehmem Rahmen bei einem guten Kaffee gemeinsam Dinge zu erarbeiten oder weiterzuentwickeln. Da ist es auch mal möglich, auf den ersten Blick absurde Ideen in den Raum zu stellen und laut nachzudenken. Oft entwickeln sich dabei wie in einem Ping-Pong-Spiel die Ideen weiter.
Isabel Häffner: Gutes, vertrauensvolles Miteinander ist die Basis, um Dinge auch mal kritisch hinterfragen zu können und somit das Projekt gemeinsam weiterbringen zu können.

#Was tun Sie – im Kleinen wie im Großen –, um Ihre Kunden glücklich zu machen?

Claudia Menzel: Wir schätzen es besonders, wenn wir ein gutes Verhältnis zu unseren Kunden entwickeln, in dem wir auch persönlich eine gute Ebene finden. Da hat man auch Zeit für ein paar private Worte abseits des Messegeschäfts. So lernt man im Idealfall auch die Wünsche und Sorgen unserer Kunden kennen und kann auch Aufgaben abnehmen, die außerhalb des Standard-Repertoires liegen. (lacht) Zum Beispiel einen Heizstrahler für besonders zugige Aufbautage besorgen. Letztendlich macht uns ein Punkt eigentlich immer gemeinsam glücklich: Wenn ein schöner Stand entsteht, der gut funktioniert.

Isabel Häffner: Unser Kunde soll mit jedem noch so ungewöhnlichen Problem zu uns kommen können und sich dann gut beraten und betreut fühlen.

#Was verändert sich Ihrer Meinung nach, wenn man nicht wie ein Ingenieur oder Controller, sondern wie ein Designer denkt?

Claudia Menzel: So ganz ausschalten kann ich die anderen Rollen wohl nie, weil die Umsetzung und das Budget immer auch Teil der Aufgabe sind. Mit Funktionalität, Ästhetik und einem stimmigen Gesamtbild erreicht man im Idealfall aber eine andere Ebene, auf der Kompromisse gefunden werden können.

Isabel Häffner: Es gehört für mich als Designer unbedingt dazu, meinen Kunden auch in Bezug auf sein Budget, auf Kosten und Nutzen zu beraten, daher ist dieser Bereich immer im Prozess involviert.Design Thinking fordert eine stetige Rückkopplung zwischen dem Entwickler einer Lösung und seiner Zielgruppe.

#Hand aufs Herz: Was halten Sie von einem Trend wie diesem?

Claudia Menzel: Ich will es gar nicht als Trend bezeichnen. Es ist keine kurzlebige Erscheinung. Der Begriff beziehunsweise die Benennung des Prozesses als Design Thinking ist aktuell weiterverbreitet als früher; das Prinzip wird aber in vielen Bereichen schon lange angewendet. Ohne Rückkopplung zwischen Kunden und Entwickler stehen die Chancen einfach deutlich schlechter, genau den Geschmack zu treffen und alle Eckdaten zu berücksichtigen.

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Verkomplizierungsbürokratie

Die Bürokratie kostet die deutsche Wirtschaft jährlich etwa 45 Milliarden Euro. Die Summe umfasst den Aufwand, der durch Informationspflichten aufgrund des Bundesrechts entsteht. Landes- und Kommunalrecht beziehungsweise EU-Recht, das nicht in Bundesrecht überführt ist, sind dabei noch gar nicht berücksichtigt. Wie viele mittelständische Unternehmer fordert auch Randolph Maurer, Geschäftsführer von imb: troschke, den Abbau bürokratischer Hemmnisse für den Mittelstand.

# Herr Maurer, der deutschen Wirtschaft geht es gut wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Wenn Unternehmen nach wie vor beklagen, sie würden in ihrem unternehmerischen Handeln von der Bürokratie erdrückt: Wird da nicht nur auf hohem Niveau gejammert?

Randolph Maurer: Ja, den Unternehmen geht es gut. Es gibt Vollbeschäftigung. Die meisten Unternehmen können Gewinne verzeichnen. Der ifo-Geschäftsklimaindex zeigt: Die Stimmung ist gut. Die Börse entwickelt sich ebenfalls gut. Aber vielleicht ist die gute Stimmung ja sogar ein Teil des Problems.

# Was meinen Sie damit?

Wir Deutschen verharren in Lethargie. Wir sind an unseren Wohlstand gewöhnt und an gute Wirtschaftszahlen. Doch wir leben in einer sich rasant wandelnden Welt. Die spannendste Phase seit der Industriellen Revolution. In nicht allzu langer Zeit werden die geburtenstarken Jahrgänge in Rente gehen. Wir stehen vor großen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen, aber keiner nimmt sich der Probleme an. Es wird palavert und taktiert, aber die Politik hat keine strategischen Ideen. Stattdessen regulieren und bürokratisieren wir uns zu Tode. Ich bin ein großer Freund der Europäischen Union, aber sie ist auf halbem Wege stehen geblieben. Sie bringt immer mehr Bürokratie mit sich. Das frustriert mich. Wir tun in unserem Unternehmen alles, damit die Arbeit allen Spaß macht. Damit wir auch in 20 Jahren noch erfolgreich sind. Durch die vielen, teils vollkommen überholten Regularien und die Bürokratie werden wir als Unternehmer behindert.

# Wie groß ist der bürokratische Aufwand, den Sie betreiben müssen?

Ich beschäftige mich etwa 30 Prozent meines Arbeitstages mit Steuerangelegenheiten und Bürokratie. Anträge, Formulare, Statistiken. Zertifizierungsverfahren, Prüfverordnungen, Berichtspflichten, Auskunftsvorschriften. Bescheinigungen hier, Besprechungen mit dem Steuerberater über Überstunden da. Über Sonntagszuschläge und deren Dokumentation, geldwerte Vorteile für Kollegen, Kostenaufstellung einer Betriebsfeier und so weiter. Manchmal fahre ich nach Hause und frage mich, was ich den ganzen Tag gemacht habe – außer Regularien erfüllt.

# In einem Beitrag im „Unternehmerprogramm des Mittelstands zur Bundestagswahl“ haben Sie gefordert, ein Großteil der Dokumentationspflichten müsse entfallen…

Ja. Das sind wahre Zeitdiebe. Noch dazu mit zweifelhaftem Nutzen. Wir müssen beispielsweise vierteljährlich Statistiken erstellen, in denen Gehälter, Mitarbeiteranzahl und anderes mehr enthalten ist. Doch diese Statistiken sind so strukturiert, dass ich bezweifle, dass man aus den Ergebnissen überhaupt korrekte Schlüsse ziehen kann. Und ich denke, dass viele Unternehmen unbeabsichtigt falsche Angaben machen, weil die Erhebungen nicht plausibel und einfach aufgebaut sind.

# Was ist Ihrer Ansicht nach der Grund für die Dokumentationspflichten, die den Unternehmen auferlegt werden?

Die Legislative misstraut den Unternehmen, leider teilweise auch zu Recht. Deshalb will man Sicherheiten und Kontrollmechanismen einbauen. Das Resultat: Vor allem der kleine Mittelstand wird belastet. Dabei ist er der Wirtschaftsbereich, der am wenigsten strategische Betrugsabsichten hegt. Es sind vielfach die Großen, die „Global Players“ also, die Regeln unterlaufen und am Rande der Gesetze kreativ sind. Ein kleiner Mittelständler käme kaum auf die Idee eines „double Irish with a Dutch sandwich“. Er will einfach nur seine Arbeit machen.

# Gibt es weitere Regulierungen, die Sie und Ihr Unternehmen behindern?

(lacht) Allerdings! Das Arbeitszeitgesetz ist für unsere Branche extrem einschränkend. Als Messebauer brauchen wir mehr Flexibilität, mehr Freiraum. Wir haben im Frühjahr und Herbst sehr viel Arbeit, weil da die Messen stattfinden. Im Sommer ist es bei uns viel ruhiger. Das Arbeitszeitgesetz müsste diesem Umstand Rechnung tragen. Arbeitszeitkonten – im Übrigen auch für Minijobs – die ein ganzes Jahr umfassen, wären eine Lösung. Dann könnte ein Mitarbeiter in den Hochphasen mehr und länger arbeiten und im Sommer weniger.
Oder das Mittelstandsentlastungsgesetz. Für jedes Gesetz, das geschaffen wird, wird ein altes abgeschafft. Im Prinzip eine gute Idee, aber es wird konterkariert durch vielfältigste neue Regelungen, auch auf EU-Ebene.

Die Globalisierung hat dazu geführt, dass wir weltweit tätig sind. Aber wir können nicht einmal einen Mitarbeiter nach Paris zum Aufbau einer Messe schicken, ohne einen Wust an Formularen und Anmeldungen auszufüllen. Frankreich ist unser Nachbarland, in der EU herrscht Freizügigkeit und trotzdem sind wir als Unternehmen tagelang mit Bürokratie beschäftigt.

Nehmen wir die DGUV-Vorschrift 3, nach der wir alle stromführenden Kabel von einem geschulten Mitarbeiter prüfen lassen müssen oder die Prüfung an ein externes Unternehmen vergeben müssen. Wer denkt sich sowas aus?

Warum braucht man bei zehn Beschäftigten bereits einen Datenschutzbeauftragten? Was soll da vor wem geschützt werden? Wer soll das bezahlen? Sind mit dem Datenschutzbeauftragten dann alle Probleme gelöst?

Wir haben einen Mitarbeiter, der über mehr als 30 Jahre Erfahrung mit Staplern, Genies und Arbeitsbühnen verfügt. Nun muss dieser Mitarbeiter eine Schulung absolvieren, um zertifiziert zu belegen, dass er eine Arbeitsbühne bewegen kann.

Der Höhepunkt in diesem Sommer: Wir mussten einen schriftlichen Antrag beim Landratsamt stellen, nur um ein Wespennest im Sonnenschirm auf unserer Terrasse umsiedeln zu lassen.

# Was müsste sich ändern, damit Sie sich Ihren unternehmerischen Aufgaben zuwenden können?

Es gibt einfach viel zu viele Dokumentationspflichten für die kleinen Unternehmen, auch beim Mindestlohn und der geringfügigen Beschäftigung. Die Aufzeichnungspflicht bei Minijobs sollte entfallen, wenn Stundenlohn und Arbeitszeit eindeutig aus dem Arbeitsvertrag hervorgehen. Ich bin dafür, dass wir bei den Sozialversicherungsbeiträgen zu der alten Regelung zurückkehren, nach der Beiträge nicht vorfällig gezahlt werden. Das Arbeitszeitgesetz muss mehr Ausnahmen ermöglichen und unserem flexiblen Bedarf gerecht werden. Sinnvoll wäre auch, dass die Vergaberichtlinien bei öffentlichen Aufträgen so gestaltet werden, dass Mittelständler nicht benachteiligt werden.

Man sollte uns Mittelständlern grundsätzlich mehr Vertrauen entgegenbringen. Wir müssen für unsere Mitarbeiter ein Wohlfühlklima schaffen, damit sie bleiben. Wir haben mehr Probleme als die Großen, Mitarbeiter zu finden. Große Unternehmen und Konzerne können höhere Löhne und Gehälter zahlen. Die „Global Players“ verfügen zudem über ganze Abteilungen, die mit der Aufgabe betraut sind, die bestehenden Gesetze für die Bedürfnisse des Unternehmens bestmöglich – am Rande der Legalität – zu nutzen. Das können mittelständische Unternehmen nicht. Auch brauchen wir eine Senkung des Arbeitslosenbeitrags, schließlich haben wir in Deutschland zurzeit Vollbeschäftigung. Die Kalte Progression muss weg. Eine Gehaltserhöhung von 100 Euro kostet uns als Unternehmen etwa 150 Euro und bei unserem Mitarbeiter kommen gerade mal 50 Euro an. Ich befürworte eine radikale Reform des Einkommensteuergesetzes, Vorschläge hierzu wurden bereits gemacht.


Das Interview führte Elke Kaltenschnee

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Einblicke

Bürokratieabbau – Worten müssen Taten folgen

Am 24. September 2017 wird der neue Bundestag gewählt – übrigens zum 19. Mal seit 1949. Vieles hat sich geändert in den 68 Jahren seither: Wirtschaftsaufschwung, Wiedervereinigung, Euro-Zone, Digitalisierung, Umweltschutz, Finanzmarktkrise, Energiewende, Vollbeschäftigung und und und.
Ein Thema, mit dem wir uns als mittelständisches, familiengeführtes Unternehmen über alle Veränderungen hinweg auseinandersetzen müssen und das sich trotz wortreicher Zusicherungen seitens der Politik verstärkt statt abschwächt, ist die ausufernde Bürokratie.

Randolph Maurer engagiert sich seit 2015 ehrenamtlich im Bundesverband mittelständische Wirtschaft und drängt dort auf eine spürbaren Erleichterung der Bürokratielasten für mittelständische Unternehmen. Er sagt: „Wir sehen anstelle von Abbau vielmehr eine Zunahme an Bürokratie. Gerade für ein kleineres Unternehmen sind die vielfältigen Aufzeichnungspflichten, statistischen Erhebungen, Anträge und Bestätigungen reine Zeitdiebe und unproduktiv. Anstelle dieser gesetzlichen Kontrollen und Vorgaben benötigen wir dringend ein Plus an Flexibilität und Vertrauen, um den aktuellen und künftigen Aufgaben gewachsen zu sein.“

Doch lesen Sie selbst: Unternehmertum, Freiheit, Sicherheit. Der moderne Dreiklang in der Wirtschaftspolitik. Unternehmerprogramm des Mittelstandes zur Bundestagswahl 2017. Positionen und Forderungen des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft e.V. Den Beitrag von Randolph Maurer finden Sie auf Seite 10.

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Einblicke

Glück. Messeauftritte, die in Erinnerung bleiben

Wenn Globalisierung, Digitalisierung und neue Arbeitsformen den Alltag bestimmen, braucht es ein Gegengewicht. Wo steter Wandel herrscht und man nur noch jedem vermeintlichen Trend hinterherhetzt, wird die Welt ein bisschen kälter. Das Echte, das Wahre, Gute und Schöne bleibt auf der Strecke. Diese Erkenntnis gilt auch für die Messebranche: Selbst wenn man zu den Trendsetter gehört, rund um Messen perfekt kommuniziert oder einen Stand optimal gestaltet: Lebendig wird die Kommunikation und die Inszenierung erst durch Gefühle.

Unser größtes Glück als Messebauer ist es, wenn ein Kunde auf einer Messe stolz wie Bolle vor seinem neuen Stand steht und ihm die Zufriedenheit ins Gesicht geschrieben ist. Wir freuen uns zwar auch über Auszeichnungen wie den German Brand Award oder den Red Dot Award, aber richtig, richtig glücklich machen uns zufriedene Kunden.

Vielleicht sind wir von imb: troschke ein emotionaler Haufen. Vielleicht nehmen wir unsere Arbeit zu persönlich. Vielleicht sind wir zu altmodisch. Oder zu hyggelig*. Wie dem auch sei: Wir wollen Messestände bauen, die echte Empfindungen auslösen. Etwa ein freudiges „Kannst du dich noch an diesen tollen Stand erinnern“-Gefühl, das lange andauert.

Unsere Branche ist ja nicht gerade bekannt dafür ein Zuckerschlecken zu sein. Der Markt ist umkämpft. Oft zählt nur der Preis und nicht die Qualität oder das handwerkliche Können. Gute Messestände werden von Billiganbietern aus Fernost kopiert und zu Dumpingpreisen angefertigt. Bürokratie und Gesetzesauflagen lauern hinter jeder Ecke. Das wissen wir alles und es macht uns das Unternehmensleben nicht gerade leichter. Es ändert aber nichts, aber auch gar nichts daran, dass wir danach streben, unsere Kunden glücklich zu machen. Für uns zählt das Wir!

In allen vier Ecken soll Liebe drin stecken.

*Hygge, das ist ein gemütliches Gartenfest mit Freunden, Sonne im Gesicht, ein behaglicher Nachmittag in dicken Socken und einem Kakao auf der Couch, ein Picknick im Park. Hygge, das sind nette Kollegen, gute Freunde und Geschäftspartner, die fast schon zu Freunden geworden sind.

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